Screening im systematischen Review:an Kriterien messen statt lesen
Vor Ihnen liegen 2.000 Suchtreffer. Sie beginnen, jeden Abstract sorgfältig zu lesen – und nach zehn ist die Luft raus. Eine vertraute Geschichte. Hier hilft ein Perspektivwechsel: Beim Screening geht es nicht darum, Paper zu lesen. Es geht darum, jedes einzelne anhand vorab festgelegter Kriterien zu beurteilen. Das gründliche Lesen kommt viel später. Dieser Artikel zeigt, wie Sie das Screening als Beurteilungsprozess anlegen.
Veröffentlicht: 2026-07-22
Abgleichen statt verstehen
Ziel des Titel-/Abstract-Screenings ist nicht, jedes Paper zu verstehen, sondern es mit Ihren Einschlusskriterien abzugleichen. Passt die Population? Liegt das Studiendesign im Rahmen? Werden die gesuchten Outcomes voraussichtlich berichtet?
Dieser mentale Schalter reduziert die Zeit pro Eintrag drastisch. Ob ein Paper interessant ist, ist kein Screening-Kriterium.
Zwei Stufen: beim Abstract großzügig, beim Volltext streng
Das Screening läuft in zwei Stufen. Im Titel-/Abstract-Screening entfernen Sie nur, was eindeutig außerhalb der Kriterien liegt, und behalten alles Zweifelhafte. In der Volltextprüfung lesen Sie das Paper selbst und treffen die strenge Eignungsentscheidung.
Der gefährlichste Fehler ist, schon in der Abstract-Phase zu aggressiv auszusieben. Sie verpassen sonst Paper, die die Kriterien im Volltext erfüllen – nur weil der Abstract es nicht erwähnt hat.
Im Zweifel zurückstellen und weitermachen
Wer bei jedem unsicheren Paper ins Stocken gerät, wird mit dem Screening nie fertig. Geben Sie sich genau drei Optionen: einschließen, ausschließen, zurückstellen. Unsicher? Zurückstellen und weiter.
Den Stapel der zurückgestellten Paper sichten Sie später gebündelt oder schicken ihn direkt in die Volltextprüfung. Fünf Minuten Grübeln über einen Eintrag sind weniger wert als fünf Minuten, in denen Sie hundert abarbeiten. Das ist der Rhythmus für großes Volumen.
Volltext-Ausschlüsse brauchen immer einen Grund
In der Abstract-Phase reicht es meist, die Anzahl zu erfassen. In der Volltextphase braucht jeder Ausschluss einen Grund – er erscheint im PRISMA-Flussdiagramm und im Manuskript.
Formulieren Sie die Gründe so, dass sie sich auf Ihre Einschlusskriterien abbilden lassen. Wählen Sie aus einer teamweit festgelegten Kategorienliste – „Population erfüllt Kriterien nicht“, „andere Intervention“, „Outcome nicht berichtet“ – und die spätere Auswertung wird deutlich einfacher.
An den ersten 50 Einträgen kalibrieren, damit die Urteile konsistent bleiben
Über ein langes Screening verschieben sich die eigenen Kriterien unbemerkt – und das Problem multipliziert sich, wenn mehrere Personen parallel screenen.
Machen Sie einen Pilotdurchlauf mit den ersten 50–100 Einträgen, besprechen Sie die unklaren Fälle im Team und stellen Sie sicher, dass alle die Kriterien gleich anwenden, bevor der eigentliche Durchlauf beginnt. Für formale Verfahren wie das unabhängige Doppel-Screening folgen Sie dem Protokoll Ihres Teams und den Erwartungen des Ziel-Journals.
KI als Sortierhilfe
Die KI jeden Abstract auf Relevanz bewerten zu lassen und den Stapel von wahrscheinlich bis unwahrscheinlich zu sortieren, kann ein guter Workflow sein.
Überlassen Sie die Ausschlussentscheidung aber nie der KI. Ihr Score ist nur eine Sortierhilfe; das letzte Wort haben Sie. Die grundsätzlichen Spielregeln finden Sie in unserem Artikel zum KI-Einsatz in systematischen Reviews.
Paperfy kommt in der Volltextphase ins Spiel
Die Abstract-Phase umfasst tausende Einträge – dort passen dedizierte Screening-Tools oder Tabellen am besten. Paperfy verdient seinen Platz, sobald es in die Volltextprüfung geht.
Laden Sie jedes Kandidaten-PDF hoch und Sie erhalten pro Paper eine Seite mit KI-Zusammenfassung, Abbildungen, Tabellen und Originaltext – und das Ergebnis Ihrer Eignungsprüfung halten Sie fest, indem Sie die Zusammenfassung bearbeiten. Ausschlussgründe und Einschlussbegründung bleiben beim PDF gespeichert.
Das Wichtigste in Kürze
- In der Abstract-Phase blieb alles Zweifelhafte im Rennen.
- Unsichere Paper wurden zurückgestellt, statt den Rhythmus zu brechen.
- Jeder Volltext-Ausschluss hat einen Grund, der auf die Kriterien verweist.
- Das Urteil wurde an den ersten 50 Einträgen kalibriert.
Die Entscheidung bleibt beim Paper
Mit Paperfy liegen Ihre Volltext-Entscheidungen auf derselben Seite wie PDF und Zusammenfassung – und lassen sich jederzeit wieder begründen.
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